Name und Geschichtliches zur Veilchenwurzel

Iris Florentina L Buchseite 3
Seite 3 aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen zur Schwertlilie.
Name und Geschichtliches: Der Name Veilchenwurzel (bei Tabernaemontanus Veielwurz, mittelhochdeutsch Violenwurzel für Iris florentina, mittelhoch. Und bei Fuchs und Brunfels blau Gilgen, bei Cordus und Bock blaue Schwertel für Iris germanica) bezieht sich auf den veilchenartigen Geruch der Wurzel; Schwertlilie oder Schwertel, althochdeutsch svertala auf die schwertartige Beschaffenheit der Blätter. Iris entweder von … Regenbogen, wegen der Vielfarbigkeit der Arten oder von … (.. Frühling), wegen des frühzeitigen Blühens der Pflanze, wird auch auf … (wegen der schwertförmigen Form der Blätter) zurückgeführt. Der mittelalterliche Name Gilgen stammt aus dem lateinischem lilium, griechisch … (Zart), althochdeutsch lilio, Lilia, in Umbildung liege, gilege, gilge).

Name und Geschichtliches Veilchenwurzel
Buchseite mit den griechischen Bezeichnungen der Iris bzw. Veilchenwurzel.
Anmerkung: Leider ist es mir nicht möglich, die griechischen Bezeichnungen wiederzugeben. Hier daher der Ausschnitt über Name und Geschichtliches zur Veilchenwurzel mit den entsprechenden griechischen Bezeichnungen, die im Text hier fehlen.

Die Veilchenwurzel ist eine schon von den Alten zur Herstellung von Salben und Ölen benutzte Droge, von welcher schon Theophrast den Wohlgeruch preist und welche nach Plinius in ausgezeichneter Güte aus Illyrien und Macedonien bezogen wurde. Der Gebrauch der Wurzel beim Zahnen der Kinder war dem Plinius schon bekannt. Diese illyrische Iris, welche noch im Mittelalter den Vorzug hatte, wird von Visiani als Iris germanica gedeutet. Die Verbreitung der Iris in Deutschland wird auf Karl den Großen zruückgeführt, der in Capitulare Gladiolus (unzweifelhaft Iris) zum Anbau empfahl. Flückiger sagt: »Das Wappen der Stadt Florenz, ursprünglich eine weiße Lilie, welche im 13. Jahrhundert durch die Guelfen in eine rote Lilie im weißen Schilde umgewandelt wurde, deutet vielleicht auf die Rühe Kultur der Iris in Toscana.« Otto von Brufnels giebt in seinem Kräuterbuche eine leidliche Abbildung von Iris germanica unter dem Namen »Blaue Gilgen« und führt die Worte des Hieronymus von Braunschweig an, welcher sich folgendermaßen ausspricht:

»Blaw Gilgen werden von dem Lateinischen genent Iris, von wegen irer mancherley farben die sye haben, dem Regenbogen gleich. Bey etlichen Teutschen auch genennt blaw Schwertelen. Dann seine bletter seiend gleich einem Schwert. Und sein wurzel wolschmackend.«

Unter den vielfachen »Kräften der Blawen Gilgen« erwähnt Brunfels auch:

»Das Wasser von der gedestillierten Wurtzelen in mundt genommen, benimmt das zanwee.«

(Frei übersetzt: Das Wasser von der destillierten Wurzel in den Mund genommen hält die Zahnschmerzen im Zaum.)

Offizinell ist der Wurzelstock: Rhizom Iridis (Radix Iridis Florentinae, Radix Ireos). Derselbe wird im Herbste gesammelt und in Form grober Spezies oder als feines Pulver in Blechgefäßen und Gläsern aufbewahrt.

Im frischen Zustand besitzen die außen gelbbraunen, innen weißen Wurzelstöcke entweder keinen oder gewöhnlich einen widerlichen Geruch und einen scharfen, sehr anhaltend kratzenden Geschmack. Beim Trocknen schwindet die Schärfe und ein angenehmer Veilchenduft stellt sich ein.

In Italien erstreckt sich nach neueren Beobachtungen die Kultur hauptsächlich auf I. germanica und pallidal. Die Wurzelstöcke werden von der dünnen Korkschicht und den Wurzeln befreit und kommen als veroneser und toskanische Waare (letztlich in Livorno verschifft) als ausgesuchte, gewöhnliche Ware und als Abfälle in den Handel. Die liovrnesische Ware, die größere Sorte des Handels, besitzt einen feineren Geruch als die veronesische und soll nicht von florentina, sondern von Iris pallidal stammen. Auch Marokko gehört zu den Ausfuhrorten und neuerdings hat Frankreich sich der Iriskultur zugewendet. Eine aus Indien nach London gelangende Veilchenwurzel (Susan, Irsa) soll nach der Ansicht Flückigers von der in Kaschmir angebauten Iris germanica (Iris nepalensis Wallich) stammen). Radices Iridis mundatae s. pro infantibus sind auserlesene, mit der Feile geglättete Stücke, welche den Kindern, um das Hervorbrechen der Zähne zu erleichtern, zum Daraufbeißen gegeben werden. Bei dieser Ware, die, um ihr ein schönes Aussehen zu geben, in der Regel mit Stärke abgerieben wird, ist darauf zu achten, dass zu diesem Abreiben nicht etwa Kreide oder gar Bleiweiß verwendet worden ist. Die aus den Bruchstücken gedrechselten Iriskügelchen oder Iriserbsen: Globuli Iridis dienen, mit einer Tinktur aus Mezereum und Canthariden getränkt, als Fontalellerbsen.

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